discourse-machine II: Kulturforum Dialog




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Claus Käpplinger
Keine Hast und kein Schielen auf die schöne Form
Das Kulturforum ist das historische Ergebnis vieler Einzelentscheidungen, die zu einem neuen homogenen Masterplan zusammenzufügen ein Kraftakt und letztlich auch ein Gewaltakt bedeuten würde, der den Charakter des Ortes zerstören würde. Es bedarf eines längeren Klärungsprozesses und Dialogs, um die Defizite und Lösungswege zu klären. Erst müssen die strukturellen Notwendigkeiten präzise benannt sein, bevor eine architektonische Entscheidung gewagt wird.
Keine Hast, kein Schielen auf die schöne Form

Die Idee eines Internet-Dialogs über das Kulturforum finde ich per se gut, doch das Ganze damit verbundene Procedere reichlich unverständlich.
Ich verstehe so nicht, weshalb der Internet-Dialog nur wenige Wochen geführt werden soll.
Ich verstehe auch nicht, warum nach Jahren der Vernachlässigung und Desinteresses von Seiten des Senatsabteilung nun über die Zukunft des Kulturforums bis zum Herbst entschieden werden muss. Es sei denn, das ein gewisser Senatsbaudirektor sich vor seiner Pensionierung noch mit einem weiteren steingehauenen Masterplan verabschieden möchte.
Das ganze Vorgehen ist bezeichnend für die letzten Jahre, wie in dieser Stadt stetig ambitionierte "Luftnummern" produziert wurden, die mehr historisierenden Wunschbildern als der Realität dieser Stadt mit ihren unbestreitbaren vielfältigen Potentialen folgten. Angesichts der heute äusserst knappen Ressourcen Berlins kann es beim Kulturforum vorerst nur um geringe Interventionen gehen, die mit wenigen Mitteln die Attraktivität und Aufenthaltsqualität des Platzes verbessern. Und dazu ist erst einmal weder ein grosser Masterplan, noch entgegen der Wünsche des Berliner BDA ein grosser Ideenwettbewerb notwendig.
Mit dem Dialog ist in meinen Augen gerade erst einmal die Klärung der Jetzt-Situation begonnen worden, wozu ja auch in den Beiträgen viel Erwägenswertes zu lesen ist. Allein, die Nutzer des Kulturforums, womit ich nicht nur die Institutionen, sondern auch die Leser der Stabi und Kunstbibliothek, die Besucher der Museen und Philharmonie meine, sind hier mit ihren An- und Einsichten bislang kaum vertreten. Um sie zu erreichen und ernst zu nehmen, müsste sich Berlin einmal herablassen, einen Fragenkatalog in den Institutionen auszulegen und auszuwerten.

Als ein langjähriger Nutzer des Kulturforums, der weniger "schönen" Stadträumen nachträumt als jenseits seiner Zielorte mit vielen Aufenthalts-Defiziten auf dem Gelände konfrontiert wird, möchte ich anregen ...

1) ... trotz der Nähe zum Tiergarten fehlen am Platz vorallem attraktive Ruhebereiche. Bei schönen Wetter muss man nur einmal auf das Abstandsgrün der Stabi blicken, um zu sehen, wieviele Leser dort notgedrungen ihre Mittags- bzw. Kaffeepausen verbringen müssen.

2) .. wieso sollte das Kulturforum nicht auch ein Ort der Jugend sein oder wieder wie früher durchaus der Fall kulturellen Freiluftveranstaltungen dienen? Mit dem Wäldchen verschwand diese sicher oft nicht sehr schön an zu sehende, aber sehr lebendige Nutzung des Raumes. Wenn man sieht, wie die Neue Nationalgalerie sich der Skater zu erwehren versucht, könnte man auch die Befriedigung ihrer Wünsche an anderer Stelle des Kulturforums erwägen.

3) .... angesichts des engen und ignoranten Anschlusses der neuen Potsdamer Platz-Bebauung an das Kulturforum erscheint heute die Weite des Kulturforums noch faszinierender als früher. Sie stärker zu nutzen und zu qualifizieren, erscheint mir ein Hauptgebot der Stunde zu sein. Etwa mit temporären Einrichtungen bzw. Pavillons, die den Besuchern das Kulturforums Angebote des Verweilens machen. Wieso gibt es hier keine attraktiven Cafes, keine Restaurants, keine Berlin-Info oder auch nur Schreibwarenläden, die den Ort über die Ansammlung monofunktionaler Kultureinrichtungen lebendiger als Teil der Stadt gestalten könnten.
Der eigene changierende Charakter des Ortes zwischen Stadt und Parklandschaft könnte damit gestärkt werden und ein attraktives unverwechselbares Profil erhalten. "Neu-alte" und alte Stadt gibt es schon genug in Berlin. Sie künstlich hier wieder zu generieren, überstrapaziert die Finanzmittel Berlins und macht auch mit ihrer hoffnungslosen Gleichförmigkeit keinen Sinn. Berlin ist und wird nun einmal nie Venedig, Mailand oder eine toskanische Renaissancestadt sein. Viele Berlin-Besucher kommen gerade deswegen nach Berlin, um eine andere Art von Stadt zu geniessen.

4) ... die Gemäldegalerie besitzt sicherlich viele geerbte strukturelle Defizite, die aber nicht allein ihren Einbruch in den Besucherzahlen erklären. Herr Schuster, der seine Vorliebe für die Museumsinsel keineswegs verbirgt, hat auch die Institutionen des Kulturforums Zug um Zug degradiert. Grosse populäre Wechselausstellungen finden so nur noch selten hier, sondern auf der Museumsinsel statt. Jenseits der MOMA-Ausstellung bedarf es neuen Ideen, wie die Gemäldegalerie stärker auch im Stadtraum auf ihre Ausstellungen aufmerksam machen kann. Dazu bedarf es erst einmal keiner venezianischen Piazetta oder Campaniles.

5) ... der schon wiederholt geäusserten Belastung des Kulturforums durch den Individualverkehr kann ich nur zustimmen. Wobei heute primär nicht mehr der rollende, sondern der parkende Verkehr das Problem darstellt. Wieso wurde nie die öffentliche Tiefgarage des Kunstgewerbemuseums genutzt? Die Parkplätze müssen zweifellos vom Kulturforum weg, aber auch über ihren Ersatz an anderer Stelle nachgedacht werden.

Schluss:
Das Kulturforum ist das historische Ergebnis vieler Einzelentscheidungen, die zu einem neuen homogenen Masterplan zusammenzufügen ein Kraftakt und letztlich auch ein Gewaltakt bedeuten würde, der den Charakter des Ortes zerstören würde.

Es bedarf eines längeren Klärungsprozesses und Dialogs, um die Defizite und Lösungswege zu klären.
Erst müssen die strukturellen Notwendigkeiten präzise benannt sein, bevor man sich an eine architektonische Entscheidung gewagt wird. Die Diskussion von Hinter-geschlossenen-Türen erarbeiteten Architekten-Modelle kann nur in die Irre führen, setzt die Form vor den Inhalt und die Abwägung der finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

Vorerst kann es nur temporäre bzw. begrenzte Verbesserungen des Kulturforums geben, die sicher nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden dürfen, aber Kosten und Ertrag sinnvoll erscheinen lassen müssen. Wobei Ertrag nicht allein finanziell, sondern auch image-fördernd für das Kulturforum und nicht zuletzt Berlin verstanden werden soll.
Für die temporären Verbesserungen könnten dann auch eine oder mehrere Architekten-Landschaftsarchitekten-Konkurrenzen ausgeschrieben werden. Doch dies am Ende und nicht schon zu Beginn des Dialogs, wie das Kulturforum zu verbessern ist.


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Erst mal den Bedarf klären!


Kommentare

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Antwort von Moderation
12.07.2004 | 16:05
zeitliches Gefüge
Hallo Claus Käpplinger,
der Online-Dialog ist Teil einer breit angelegten Debatte (Ausstellung, öffentliche Architekturgespräche, Vorträge) und teilt sich in zwei Phasen á vier Wochen. Die 1. Online-Phase geht heute 24.00 Uhr zu Ende, die zweite beginnt am 14. September und läuft bis zum 11. Oktober 2004.
Die Begrenzung des Online-Dialoges auf jeweils vier Wochen ist sinnvoll, um zum einen der Diskussion einen zeitlichen Rahmen zu geben und zum anderen, weil dadurch erst eine Dynamik entsteht, die schlussendlich zu Diskussionsergebnissen führt.

Beste Grüße,
Wencke Hertzsch (Moderation)
Kommentar von Moderation
12.07.2004 | 16:28
An alle Teilnehmer
Meines Erachtens sind gewisse Parallelen zwischen dem Artikel von Claus Käpplinger und dem von Sylvia Stöbe „Erst mal den Bedarf klären!“ (  Link ) zu erkennen. Insofern sehe ich den Diskussionsbeitrag von Herrn Käpplinger als unterstützenden Beitrag zu dem von Frau Stöbe und werde ihn als solches im weiteren Verlauf behandeln.

Stimmen Sie dieser Einschätzung zu oder sollte vielmehr dieser Artikel als eigene Ideenausarbeitung an die Senatsverwaltung weitergereicht werden?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung.
Freundliche Grüße,
Wencke Hertzsch (Moderation)
Kommentar von Jane J.
12.07.2004 | 18:25
Etwas mehr Zeit ...
Etwas mehr Zeit täte sowohl dem Kulturforum wie auch diesem Dialog gut. Ich habe den Eindruck, daß viele von diesem Forum erst auf den letzten Metern bzw. Minuten etwas mitbekommen haben.
Beim nächsten Mal wäre etwas mehr werbung wahrscheinlich gut.
Kommentar von Hermann Scheidt
12.07.2004 | 23:59
Die gewissen Parallelen beschränken sich, wenn ich richtig gelesen habe, auf den Rat zur Bedachtsamkeit.
Die Attraktivität des Kulturforums für Berlin-Besucher, also der Blick von aussen, ist noch viel zu wenig beachtet worden und hier dezidiert angesprochen worden. Wie wird auf diese Stadt geschaut? Auch die inhaltlichen Defizite - Stichwort: Ausstellungen und Museums-Konkurrenz in der eigenen Stadt - wurden bislang nicht zur Kenntnis genommen. Und vor allem unterstütze ich die Kritik an der Vorgehensweise des Senatsbaudirektors. Mit Privat-Gutachten kann ein offenes Meinungsbild nicht Form annehmen. Danke Klaus Käpplinger!


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Von: Claus Käpplinger
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12.07.2004 | 13:39
Artikel-Nr.: 226

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