discourse-machine II: Kulturforum Dialog




 Kulturforum Dialog
 Konzeptplan   Ablauf   Moderation   Spielregeln   Impressum   
  |  Startseite  |  Teilnehmerliste  |   Neu eintragen   | Name Passwort      |  



Ansichten
Alle Artikel
Konkrete Vorschl?ge
Artikel in Karte
Artikel nach Teilnehmern
Beobachtungen am Kulturforum
Nutzung des Kulturforums
St?dtebauliche Leitbilddiskussion


Suche
 
Erweiterte Suche


felix
Viel zu monumentale Gestaltung
Für einen von großartigen Bauten der Nachkriegsmoderne geprägten Ort wie das Kulturforum ist der städtebauliche Stil des Konzeptes vollkommen unangebracht. Monumentale Eingangshöfe und gedrungene Bauten in Blockstruktur sind für das 19. Jahrhundert typisch gewesen, und gehören nicht in ein Ensemble mit einigen der weltweit bekanntesten Bauten des 20. Jahrhunderts.
Das auf Entwürfen des Münchner Architekten Sattler basierende Konzept ist für das Kulturforum vollkommen unangebracht. Monumentale Eingangshöfe und gedrungene Bauten in Blockstruktur gehören nicht an diesen Ort, der von Offenheit und modernen Bauten geprägt ist.

Die Idee, eine neue Eingangssituation zwischen Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum zu schaffen, ist grundsätzlich richtig. Dies sollte aber mit in einer einladenden, Leichtigkeit ausstrahlenden Gestaltung für den neuen Platz verbunden sein. Sattlers Entwurf zeigt einen quadratischen, von gleichförmigen hohen Bauten eingerahmten, säulenumstandenen düsteren Hof. Statt solcher Düsterheit wäre eine helle Piazza wünschenswert, die von niedrigen Bauten umstanden wäre; dazu große, helle Eingänge zu den Museen, die jeweils individuell gestaltet sind (und nicht hinter Säulen versteckt); sowie einen Platz, der mit Wasserflächen, Bäumen oder Brunnen ausgestattet sein könnte(und nicht wie ein Kasernenhof gepflastert wird); und vielleicht eine filigrane Dachkonstruktion, die im Winter oder bei Regen die Piazza überdecken könnte.

Wer wissen will, was für grobschlächtige Bauten uns dort erwarten wenn Sattler baut (oder, wie uns nun am Kulturforum droht, geistesverwandte Architekten seine Masterpläne im Detail realisieren), sollte sich mal die Rückseite (also die Südseite bzw. Westseite) der Gemäldegalerie von Sattler genauer anschauen. Hunderte von Metern monumentaler, abweisender Sandsteinfassade!

Ähnlich unangebracht wie die Monumentalität des neuen Eingangsbereiches ist der Rückgriff auf Blockstrukturen am Matthäikirchplatz. Es ist schon schlimm genug, dass seit Jahren Stimmann und seinen Adlaten bei jedem städtebaulichen Wettbewerb in der Stadt die selben gleichförmigen Blockstrukturen durchsetzen. Dass sie aber dies auch noch für einen von der Moderne geprägten Ort wie das Kulturforum wollen, ist ein Trauerspiel. Man achte auf die Bauten, die nach Sattler Entwurf den Matthäikirchplatz einrahmen sollen. Zur Erinnerung: Sattler war auch der "Masterplaner" des Potsdamer Platz, und solche Blockstrukturen wie er jetzt für den Kirchplatz vorschlägt stehen in großer Zahl heute bereits am Potsdamer Platz. Zu erwarten sind also ein paar solcher klobiger Büro- und Apartmentblöcke wie sie das Quartier DaimlerChrysler prägen. Deren Rückseite (!) würde dann die Ansicht des Kulturforums beherrschen, weil sie zwischen Philharmonie und Nationalgalerie stehen (und ihre Vorderseite auf den Kirchplatz ausgerichtet wäre). Zwischen die meisterhaften Bauten von Scharoun und Mies van der Rohe gehören aber keine solchen langweiligen, düsteren Klopse wie das Hyatt am Potsdamer Platz, sondern Bauten mit einer ähnlichen Transparenz und Leichtigkeit wie Nationalgalerie und Philharmonie. Deshalb sollte man stattdessen entweder, wie es ja immer wieder vorgeschlagen wird, an dieser Stelle entweder das von Scharoun hier vorgeschlagene Künstlerhaus nachträglich realisieren, oder innovative Bauten (und keine klobigen Büro- und Apartmentblöcke) von Architekten, die für das 21. Jahrhundert das sind, was Scharoun und Mies van der Rohe für das 20. Jahrhundert waren.

Solche Architekten darf man aber nicht zwingen, in Blockstrukturen des 19. Jahrhunderts arbeiten zu müssen. Man denke an Frank Gehry, dessen Guggenheim-Museum in Bilbao Menschen aus aller Welt anzieht - aber dessen Bürogebäude am Pariser Platz niemanden interessiert, weil alles interessante daran im Innenhof versteckt ist. Am Pariser Platz mit dem historischen Brandenburger Tor mag die Unterordnung unter die traditionelle Gestalt ja noch sinnvoll sein, aber am Kulturforum mit seiner offenen Struktur sollte noch Raum für Innovation sein. Ein Ensemble mit einigen der weltweit bekanntesten Bauten des 20. Jahrhunderts sollte man auch in diesem Geiste weiterentwickeln, und nicht in der Monumentalität und Altbackenheit des 19. Jahrhunderts. Mehr von Bilbao 2004, und weniger von Preußen 1896 wäre das richtige Rezept für das Kulturforum!



Verknüpfungen des Teilnehmers


Verknüpfungen anderer Teilnehmer
Offen halten!
Kultur - Forum


Kommentare

Ansichtsoptionen:
 


Kommentar von zeitgeist
17.06.2004 | 00:01
Luft zum atmen
die frage, die sich dabei doch stellt, ist warum eigentlich soviel gebaut werden muss? wenn schon eine veränderung, dann doch eher eine behutsame qualifizierung des bestehenden ensembles, aber doch nicht eine einengende bebauung. gerade die fläche und weite des ortes mit ihren beeindrucken bauten (und da besteht ja einigkeit) machen das kulturforum aus. ein ort der ruhe, des atmens und des zeit lassens im gegensatz zur hektik des pp und der straße. ich bin für sitzgelegenheiten, verweilangebote und einer belebung des ortes durch die bereitstellung des öffentlichen raumes zur freien aneignung u. gestaltung für touristen, künstler, bürger etc...
Kritik von roman bittner
17.06.2004 | 15:11
zurückwünschen in die gemütlichkeit einer klassischen moderen hilft nichts!
Natürlich ist das kulturforum von grossartigen und wichtigen bauten geprägt, aber es funktioniert als städtischer ort einfach nicht. Darüber kann kein zweifel herrschen, ebensowenig darüber, daß die moderne und vor allem der moderne städtebau gescheitert ist. Niemand und besonders kein berliner sollte vergessen, was scharoun mit der stadt vorhatte, als er nach dem krieg zurückkehrte, er war nicht erschüttert, er war hocherfreut über die zerstörung! Endlich schien es möglich zu sein, die utopische idealstadt zu bauen von der vor dem krieg nur geträumt werden konnte. Der nötige totalabriss der gründerzeitlichen stuckfassaden von paris, new york und berlin war endlich nicht mehr nur ein traum — er hatte sich zumindest in berlin von selbst erledigt. Das diese pläne erst in den späten siebzigern, unterstüzt durch einen massiven allgemeinen aufschrei (mitscherlich: die unwirtlichkeit unserer städte) gestoppt wurden, verdanken wir letztlich kleihues und seinem umfeld! Das sollte man nicht vergessen und ihrer haltung tribut zollen. Letztlich zeigt sich ja auch: der postdamer platz mag weniger grossartige einzelarchitektur besitzten (obwohl ich kollhoffs hochhaus, ebenso wie die h&s-bahnhöfe auch sehr gut bewerten würde), aber es funktioniert als stadt trotz seiner abgeschnittenen lage und dem autistischen konzept der grossen investoren nur aufgrund seiner sternplatz-blockrandstruktur besser als das kulturforum! Natürlich kann ich den einwand gegen den (vermeintlich steinernen) ehrenhof verstehen, obwohl ich die südfassade der gemäldegalerie nicht ungelungen finde — aber man darf nicht unterschlagen, daß sich selbst die stimmann-fraktion mit ihren oft etwas einfallslosen fassaden unter das alte diktat der moderne: das der der reduktion stellt.
Was aber hat sich nicht alles verändert? Wie ironisch-übertrieben musste sich der gegenmoderne architekt noch vor zwanzig jahren geben, um hoffen zu dürfen besehen zu können — dieser weg zu einer entspannten haltung das vieles nebeneinander möglich ist, utopisten wie gehry, liebeskind (mittlerweile eigenlich auch nur sich selbst kopierende postkarten-architekten für stadtzentren überall in der welt, fernab eines tatsächlichen städtebaulichen problems), aber eben auch retrofuturisten, historisten, stimmänner, zumthors, kollhoffs.
Bis das ornament kein tabu mehr ist, hilft es nicht sich in die gemütliche vergangenheit einer klassischen moderne zurückzuwünschen, die am ehesten noch von vermeinlichen szene-stars wie gehry oder foster weitergetragen wird!
Kommentar von Moderation
17.06.2004 | 16:01
Bitte um kürzere Beiträge
Vielen Dank für Ihren engagierten Beitrag. Damit Ihr Artikel von möglichst vielen Teilnehmern gelesen werden, möchte ich Sie bitten, Ihre Beiträge nicht zu lang werden zulassen. Richtmaß ist maximal eine A4 Seite. Schreiben sie doch statt einem langen Beitrag mehrere. So bleibt die Übersichtlichkeit erhalten (siehe auch Spielregeln (  Link ) ).

Wiepke van Aaken (Moderation)
Kommentar von Fudan
17.06.2004 | 20:13
wir reden über das ZENTRUM Berlins
Luft zum atmen: Ja, aber der Tiergarten ist doch gleich um die Ecke...

Ich bin schon seit langem der Meinung dass Philharmonie, Nationalgalerie und die Staatsbibliothek (ein, in diesem Zusammenhang oft vergessenes, aber ganz famoses Gebäude) umso leichter und erfrischender wirken, je mehr sie in die traditionelle europäische, berlinerische Stadt eingeflochten sind. Jetzt wirken diese drei "Meisterwerke zwischen Parkplätzen" überhaupt nicht!

Dieses Phänomen der Leichtigkeit lässt sich übrigens auch beim Guggenheim in Bilbao beobachten. Oder beim Pei-Bau vom DhM und beim Centre Pompidou in Paris.

Bitte nicht noch ein Architektur-Star wie Gehry am Kulturforum... Der macht eh immer das gleiche... :-)
Kommentar von Prof. H. Kendel
22.06.2004 | 14:25
Behutsamkeit statt Monumentalität
Hallo Felix,

Ja, da möchte ich mich Ihnen anschließen: In diesem vom besonderen Geist der Nachkriegszeit geprägten Ort sollten keine Korrekturen durch Bauteile, die aus einer ganz anderen Geisteshaltung kommen, anbringen. Nicht Monumentalität sondern Behutsamkeit, Kreativität, Einfühlungsvermögen und Tolleranz sind hier angezeigt.

Berlin kann stolz darauf sein, ein so einzigartiges Zeugnis dieser Nachkriegszeit zu besitzen. Lass es uns hegen und pflegen bei der "Weiterentwicklung".

Die Vielfalt der Ideen, die Offenheit und Tolleranz sind angemessene Qualitätsmerkmale einer Stadt wie Berlin. Hermann Kendel
Kommentar von Michael Krauß
28.06.2004 | 23:22
Transparenz
Man kann das klare Votum für Leichtigkeit und Transparenz und gegen Monumentalität wirklich nur nachdrücklich unterstützen. Ob man aber das Gästehaus (das Sie mit "Künstlerhaus" meinen) bauen sollte, scheint mir doch zweifelhaft. Das hängt einmal vom Bedarf ab (braucht man das hier? kann man es finanzieren? - der Promotor des Projekts hat doch wohl etwas zu viel gewirbelt) und zweitens davon, welche Gesamtkonzeption gefunden wird. Man sollte sich übrigens den Plan von 1967 für das Forum öfter ansehen: Der Baukörper des Gästehauses hatte, wie man sieht, seine Funktion vor allem als (kleineres) Gegengewicht gegen den mächtigen Hügel der Staatsbibliothek, der das Forum gegen die damals an der Ostseite geplante Westtangente abschirmen sollte. Statt der Westtangente haben wir ja inzwischen die massigen Baublöcke des Potsdamer Platzes bekommen. (Wohin ein zwanghaftes "Denken" in Blockstrukturen führt, kann man dort sehen.) Und auch am westlichen Rand des Forums ist mit den Museumsbauten statt der Leichtigkeit des noch skizzenhaften Vorschlags von Scharoun aus dem Jahre 1967 später eine Barriere entstanden. Da also diese Ränder, die das Forum begrenzen, so sehr starr geworden sind, kann das m.E. nur heißen, dass nicht im Innern nun auch noch starre Strukturen implantiert werden. Wie auch immer - für entscheidend halte ich jedenfalls, dass das Kulturforum in dem modernen Geist weitergedacht und weitergeplant wird, in dem es bisher (trotz aller Mängel) angelegt worden ist. Man möchte hoffen, dass die zuständigen Leute der Stadt begreifen, dass man das Ganze nur verderben würde, wenn man bei einem dogmatischen Formalismus stehen bleiben sollte.
Kommentar von agru
28.06.2004 | 23:48
Bebauung östlich der Kirche...
historsch und "scharounisch" gesehen...
Die Bebauung dort könnte vielleicht kleinparzelliger erfolgen, so wie in den historischen Karten in der Broschüre. Die Gebäude mitunter sogar villenartig gestaltet werden.
Und soweit ich das erkennen kann, ist das Gästehaus Scharouns doch in Stufen östlich abgeflacht. Wöre es nicht möglich, ausgehend von den Gebäuden, sozusagen, die Hinterseiten, mit abgestuften Terrassen zu versehen? Diese könnten dann von Cafés mit Außensitzmöglichkeiten genutzt werden. Oder aber als öffentlicher Raum mit Sitzflächen gestaltet werden. Besucher könnten auf entspannende ARt und WEise den Blick über die wichtigen Bauten schleifen lassen... Und man könnte sie auch für kleinere kulturelle Aktionen nutzen... (Ich denke da gerade an ein Theaterzelt :).


Hilfe
Sie können Verknüpfungen zu Artikeln hinzufügen, indem Sie auf den entsprechenden Linktext klicken. Um diese Funktion zu nutzen, müssen Sie angemeldet sein.


  
Info zum Artikel
Von: felix
Thema: St?dtebaul. Leitbild
16.06.2004 | 23:29
Artikel-Nr.: 143

Aufrufe: 353
Bewertungspunkte: 11 (Bewertungen insgesamt: 7)
(Durchschnitt: 1.57)
Verknüpfungen: 2
Kommentare: 7


 Konzept: zebralog    Realisierung: discourse-machine II von binary objects. Alle Rechte vorbehalten.  Seitenanfang