discourse-machine II: Kulturforum Dialog




 Kulturforum Dialog
 Konzeptplan   Ablauf   Moderation   Spielregeln   Impressum   
  |  Startseite  |  Teilnehmerliste  |   Neu eintragen   | Name Passwort      |  



Ansichten
Alle Artikel
Konkrete Vorschl?ge
Artikel in Karte
Artikel nach Teilnehmern
Beobachtungen am Kulturforum
Nutzung des Kulturforums
St?dtebauliche Leitbilddiskussion


Suche
 
Erweiterte Suche


Michael Krauß
Nochmals: Scharoun
Wenn man das Forum weiterentwickeln will, muß man sich entscheiden zwischen einer Steigerung der bisher angelegten Konzeption und seiner Destruktion.
Wichtige Ausgangsbasis für die Weiterentwicklung des Forums stellt immer noch das ursprüngliche Konzept von Scharoun in dem Plan von 1967 dar. Darin kann man sowohl die Wurzeln der Probleme erkennen, die heute anstehen, und ebenso die nach wie vor bestimmende Idee und die tragfähigen Grundlinien des Forumskonzepts. (Am Rande gesagt: Ich halte es für ziemlich unwichtig, ob man dabei von Stadtlandschaft sprechen will oder nicht. Wichtiger ist, was man sieht:) Scharoun hat den Bereich, der sich zwischen der Stadtkante südlich des Landwehrkanals und dem Tiergarten im Norden erstreckt, dadurch neu geordnet, dass er die großen Solitärbauten (Philharmonie etc,) scheinbar gleichmäßig verteilt hat. Tatsächlich aber hat er diese Baukörper fast wie große Plastiken, um die man herumgehen kann, so angeordnet, dass zwischen ihnen Sichtbeziehungen und differenzierte Räume entstehen können (auch: Stadträume in der Beziehung zum Landschaftsraum) Der größte sollte das sogenannte Tal zwischen Stabi und Gästehaus sein; ein kleinerer sollte sich vor der Matthäikirche öffnen (Siehe die Markierungen in der Lageskizze). Zwischen den beiden Räumen sollte das Gästehaus liegen.

Das heißt aber m.E. nicht, dass es nun doch auf das Gästehaus ankommen würde. Der Baukörper des Gästehauses hatte, wie man sieht, seine Funktion vor allem als (kleineres) Gegengewicht gegen den mächtigen Hügel der Staatsbibliothek, der das Forum gegen die damals an der Ostseite geplante Westtangente abschirmen sollte. Statt der Westtangente haben wir ja inzwischen mit den Baublöcken des Potsdamer Platzes eine Kulisse anderer Art bekommen.

Vor allem aber am westlichen Rand des Forums ist mit den Museumsbauten statt der Leichtigkeit des noch skizzenhaften Vorschlags von Scharoun aus dem Jahre 1967 später eine dicke Barriere entstanden.

Was also, wenn das Gästehaus nicht kommt (und es sieht ja nicht so aus, als ob die Lobby dafür stark genug wäre)? Daraus ergibt sich mitnichten eine Begründung für einen großen Platz oder gar eine Abfolge von Plätzen. Will man damit dem "organischen" Scharoun-Plan endlich Korsettstangen einziehen? In völligem Widerspruch zu ihm steht die Achse, die Braunfels vom Leipziger Platz in das Forum herein ziehen will bis zu seinem runden Platz. Auch der eingeschnittene große Platz des Konzeptplans lässt nichts übrig vom Ursprungsgedanken des Forums.

Man wird sich also entscheiden müssen: Will man die besondere Qualität der Raumbestimmung, wie sie dem Forumskonzept eigen ist, stärken und weiterentwickeln oder will man sie - durch welche Platzdesigner auch immer - zerstören lassen. Letzteres wäre sehr zu bedauern - dazu muß man auch kein Mitglied irgendeiner Fan-Gemeinde sein.


Verknüpfungen des Teilnehmers
Das Hauptproblem ist die Straßenführung
Ein Hoch auf die Braunfels Vision!
Forum der kulturellen Ideologien?


Verknüpfungen anderer Teilnehmer
Scharoun zum geplanten Forum
Kultur - Forum
Scharoun als statisches Modell


Kommentare

Ansichtsoptionen:
 


Kritik von roman bittner
29.06.2004 | 15:16
Keine Angst vor Heterogenität
Ich finde nicht, daß es die besagte besondere Raumqualität gibt. Die architektonisch hervorragenden Einzelbauten stehen sich eher beziehungslos gegenüber - wie Raumschiffe, gestrandet in einer Wüste. Scharoun hatte städtebaulich Konzepte, die auf seiner Ablehnung der hochverdichtete Berliner Mietskasernenstadt basieren. Alles was er als Kennzeichen des "steinernen Berlins" ausmachte, versah er mit negativen Vorzeichen und erhielt so die Struktur seiner Utopie. Damit ist er gescheitert. Die damaligen Problembezirke erfeuen sich heute grosser Beliebtheit - im Gegensatz zu den nach den Grundsätzen der Modernisten erbauten Vorortplattenbauvierteln in Ost und West.
Lasst uns also den Respekt vor der städtebaulichen Vision Scharouns ablegen (nicht vor seinen Bauten), ebenso wie die Angst vor heterogenen Strukturen, vor sich gegenseitig überlagernden Städtebaumodellen - Stadt ist Vielfalt, Neben- und Durcheinander, manchmal auch Unausgeglichenheit.
Kommentar von Prof. H. Kendel
29.06.2004 | 15:23
Zu Michael Krauß
auch an diesen neuen Artikel von Ihnen möchte ich mich anschließen, die drei Testentwürfe würden den einzigartigen städtebaulichen Ansatz von Scharoun verwässern und zum Teil zerstören. Zu zwei Punkten in Ihrem Artikel möchte ich etwas ergänzen:

Eine T-Kreuzung, bei der man links (vom Scharounschen Tal kommend) ins Forum und rechts in den Potsdamer Platz geführt wird, halte ich für eine schönere Situation, als die sanft halbrechts biegende Potsdamer Straße, die am Kulturforum vorbeischleift.

Und: Die westliche Seite des Kirchplatzes (Piazza) ist damals zwischen Scharoun und Gutbrod bis ins Detail genau abgesprochen worden. Hier bestand Einvernehmen, was deshalb interessant war, weil beim Wettbewerb Stuttgarter Liederhalle, ein paar Jahre zuvor, bitterer Streit herrschte, beide hatten einen 1. Preis, und Abel/Gutbrod erhielten den Auftrag. Mit Hochachtung Hermann Kendel
Kommentar von Politekt
29.06.2004 | 16:21
Zustimmung zu Roman Bittner!
Die Utopien der Stadtplaner der 50er, 60er und 70er haben uns zum Teil alptraumhafte und ahumane Verkehrs- und Wohnkonzepte hinterlassen, die seit 20 Jahren mühsamst und unter gewaltigen Kosten wieder zurückgebaut werden. Man sollte daher jede sich bietende Gelegenheit nutzen und die Fehler der Vergangenheit - und dazu zählen m.E. auch Scharouns Konzepte - wieder beseitigen.
Eine Stadt ist nicht für Visionen da, sondern für Menschen, die darin leben, arbeiten und Geld verdienen können wollen und müssen.
Kommentar von surisu
29.06.2004 | 16:33
Schließe mich dem Politekten an
Scharouns Konzepte sind schon sehr alt und gingen von anderen Vorausstezungen aus, als wir sie heute haben. Meiner Meinung nach gibt es mittlerweile bessere Konzepte (siehe z.B. Braunsfels' Straßenführung) die sich mehr an den heutigen Anforderungen orientieren.
Kommentar von agru
29.06.2004 | 21:30
neue Identitätssuche
Herr Krauß stellt heraus, dass die Realitäten sich in den vergangen Jahrzehnten geändert haben (PP, keine Westtangente) und beschreibt die bauliche Situation im westlichen Forumareal als "dicke Barriere" entgegen einer "Leichtigkeit", wie sie in der Skizze zu erahnen ist. Frage... hat somit nicht bereits vor Jahrzehnten die Destruktion der Scharounschen Idee begonnen? Sicher doch nicht erst, seit dieser Dialog auch andere Ideen und Wünsche aufzeigt.
Gleichzeitig stellt sich mir eine weitere Frage. Wird man dem Forum in seiner jetzigen Form gerecht, indem man eine Über-, Um- oder "Dicht-"bauung der erkennbaren Scharoun-Elemente (östliches Areal) befürwortet?
Und ich möchte die Frage von Herrn Feucht hinzuziehen, ist es angesichts einer ausstehenden Klärung eines attraktiven Nutzungskonzeptes (wie kann man übrigens die Links einfügen?) für das gesamte Areal heutzutage immer noch derart wichtig, nach welchem bisherigen Leitbild weiterentwickelt wird? Da sich mir die Relevanz nicht erschließt, bitte ich um Erklärungen...
Auch wenn ich mich wiederhole, gibt es keine Aussicht auf einen baulichen (sowohl positiv wie negativ) Kompromiss, keine konkreten Vorschläge für eine neuzeitliche Identität des gesamten Areals, in dessen Wirkung beide Leitbilder, wenn vielleicht auch nur teilweise, aber erfahrbar mit ihren jeweiligen Besonderheiten realisiert, Stärke zeigen können?
Kommentar von agru
29.06.2004 | 21:34
ps.:
mit "neuer Identität" meine ich nicht die Übernahme von bestehenden baulichen Konzepten, wie z.B. in der Broschüre
Gruß, agru
Lob von Sylvia Stöbe
29.06.2004 | 22:27
Bitte keine Verdichtung!
Die Idee Scharouns mag heute vielleicht etwas aus der Mode gekommen sein. Sicherlich sind in den 60er und 70er Jahren Fehler gemacht worden, besonders in der Verkehrplanung. Dies hat mit der Idee Scharouns aber nichts zu tun. Seine Ideen und Ziele werden in dieser Diskussion missverstanden. Die Berliner Mietskasernenstadt kann für uns heute kein Vorbild mehr sein, auch wenn der Prenzlauerberg bei Studenten beliebt ist. Wer einmal im Hinterhaus gewohnt hat, weiß wovon ich spreche. Verdichtung ist nicht die richtige Antwort auf unsere derzeitigen städtebaulichen Probleme. Der offene städtebauliche Bereich um das Kulturforum herum sollte in seiner räumlichen Qualität auch für weitere Generationen erhalten bleiben. Ich fordere Denkmalschutz für eine städtebauliche Idee, auch wenn sie heute von manchen nicht mehr verstanden wird. Stadt ist Vielfalt — richtig - und da sollte auch für Scharoun ein Platz sein. Lasst die Vielfalt besser durch Aktionen sprechen. Kultur und Leben auf diesen Platz !
Kommentar von Michael Krauß
29.06.2004 | 23:34
Antwort auf die Kritik von Roman Bittner
" Raumschiffe in einer Wüste": Na klar, damals war dort auch eine große Wüste, die keiner wollte. Also plante man ein Forum - dicht an der Mauer. Wie soll man vorgehen? Man nimmt das Beste, was man hat: Eine Philharmonie, eine Nationalgalerie, usw. Und man versucht diese Riesen so zusammen zu stellen, dass ein Ganzes daraus wird. Heute ist man schlauer: Zuerst hätte man den historischen Stadtgrundriß ausgraben und die Blockstrukturen rekonstruieren müssen - wenn dann noch Platz gewesen wäre, hätte man das Forum errichten dürfen.

"Scharoun hatte städtebauliche Konzepte, die auf seiner Ablehnung der hochverdichteten Berliner Mietskasernenstadt basieren." Die Mietskasernenstadt ist für die Generation von 1890 aus guten bzw. schlechten Gründen sicher alles andere als romantisch gewesen; es gab damals mehr Gründe, sie abzulehnen als sie gut zu finden. Die in den 1920er Jahren erbauten neuen Wohnsiedlungen sprechen da eine beredte Sprache über die Wünsche vom Wohnen. Wenn Sie sagen: "Die damaligen Problembezirke erfreuen sich heute grosser Beliebtheit", dann ist das eben ganz aus heutiger Sicht gesprochen. Während es damals Wohnungsnot gab, haben wir heute Leerstand und können es uns (fast) aussuchen, wo wir wohnen wollen.

Es geht nicht um "Respekt" vor Scharoun, es geht um die Toleranz gegenüber einem, wie ich finde, wichtigen Stück Stadtgeschichte.
Antwort von Moderation
30.06.2004 | 12:18
Antwort an agru: Links werden wie folgt eingefügt
Öffnen Sie die zu verlinkende Seite, markieren Sie die Web-Adresse und kopieren Sie sie entweder mit der rechten Maustaste > kopieren oder mit dem Tastenkürzel Strg C.
Im Anschluss gehen sie mit dem Cursor an die entsprechende Stelle in Ihrem Text und fügen den Link ein, entweder über die rechte Maustaste > einfügen oder mit dem Tastenkürzel Strg V. Achten Sie darauf, dass vor und nach der Adresse jeweils ein Leerzeichen eingefügt ist, auch wenn Sie Klammern verwenden.

Freundliche Grüße,
Wencke Hertzsch (Moderation)
Kommentar von roman bittner
30.06.2004 | 13:05
zwei antworten
zu sylvia stöbe:
Es ist ein irrtum zu glauben, scharoun hätte mit den fehlplanungen der nachkriegszeit nicht zu tun. Er war oberstadtbaurat und hat einen plan entwickelt nach dem praktisch GANZ berlin (also die noch übriggebliebenen bauten, ruinen und reste) abgerissen werden sollten (der plan ist anzusehen auf dem cover vom dritten band von jonas geists grosser triologie "das berliner mietshaus"). Natürlich kann man den modernisten corbu, gropius und scharoun keinen direkten vorwurf machen, tatsächlich waren die zustände in den hinterhöfen untragbar. Was sie jedoch nicht bedachten, war der fakt, daß es nicht an der blockstruktur oder an der dichte lag, sondern an den zu niedrigen gehältern der mieter - wer mehr lohn bekommt, kann auch mehr miete zahlen - was wiederum heisst, daß auch die investoren nicht so viele mietparteien in einen block hätten stopfen müssen. Im übrigen habe auch ich immer in hinterhöfen gewohnt und würde dies immer einer entdichteten plattenbauvorstadt vorziehen!

zu michael krauß:
Natürlich sehe ich es aus heutiger sicht, denn heute ist man auch schlauer, scharoun hat folgerichtige fehler gemacht, die nachvollziebar sind - aber es bleiben fehler.
Leider haben die wohnsiedlungen in den 20er jahren zwar formal glanzpunkte gesetzt, ihr ziel haben sie jedoch nicht erreicht - dort wohnten nie arbeiter - sondern beamte. Gegen die wohnungnot waren sie auch kein mittel, dazu waren sie viel zu grosszügig und aufwendig gestaltet, diese aufgabe mussten auch in dieser zeit weiterhin mietskasernen übernehmen. Der einzige test, der mit fabrikmässiger, serieller errichtung der bauten unter quasireellen bedingungen stattfand, war die siedlung törten beim bauhaus - und - wie ein böse prophezeiung der aufkommenden zeiten funktionierte sie nicht!
Kommentar von Michael Krauß
30.06.2004 | 17:17
Kurz und bündig zu bittner
Ach ja - wenn es denn so einfach wäre!
Kommentar von Fudan2
01.07.2004 | 18:12
Scharoun KANN gar nicht vollendet werden...
...denn, die Mauer ist weg, und ein paar Investoren haben ein paar neue Raumschiffe gelandet, und nun steht dort arrogant und fast schon nihilistisch u.a. das Sony Center.

Das hatte Scharoun auch nicht in seinem Plan und eine Durchfahrtstrasse mit der Verkehrsdichte der Neuen-Potsdamer-Str. sicher auch nicht.
Und wenn die Scharoun PLäne auch noch so gut und in sich stimmig sind, so passen sie heute nicht mehr in das Zentrum Berlins. Dazu ist schon zuviel passiert. Er kuschelte seine Häuser in eine Mauerecke, er ging von einer großen aufgestelzten Autobahn unmittelbar hinter der Stabi aus, die städtebaulichen Visionen seiner Zeit sind in der Tat überholt. (auch wenn es hier und da tolle Häuser gibt. Ich oute mich mal als Fan des "Sozialpalastes" in der Pallasstrasse... einer meiner Lieblingshäuser in Berlin!)
***Ein Gruß von Fudan
Kommentar von Michael Krauß
01.07.2004 | 18:56
Kommentar zu Fudan
Hallo Fudan,

es soll ja doch keineswegs der alte Plan von Scharoun jetzt zuende gebaut werden, wer will das denn?. Natürlich ist die Zeit weiter gegangen und ein Versuch, so wie vor 40 Jahren zu bauen, wäre absurd. (Komischerweise haben manche Leute aber keine Bedenken, wie vor 100 oder noch mehr Jahren heute bauen zu wollen. Aber das wäre ein neues Thema.) Worum es geht, kann vielleicht beschrieben werden mit der Formulierung: Man soll doch nicht versuchen, gegen das (geistige) Konzept, das am Kulturforum zu erkennen ist, ständig anzukämpfen. Wenn man soweit Konsens erreichen könnte, wäre schon viel gewonnen.
Gruß MK


Hilfe
Sie können Verknüpfungen zu Artikeln hinzufügen, indem Sie auf den entsprechenden Linktext klicken. Um diese Funktion zu nutzen, müssen Sie angemeldet sein.


  
Info zum Artikel
Von: Michael Krauß
Thema: Städtebaul. Leitbild
29.06.2004 | 14:40
Artikel-Nr.: 191

Aufrufe: 260
Bewertungspunkte: 11 (Bewertungen insgesamt: 9)
(Durchschnitt: 1.22)
Verknüpfungen: 6
Kommentare: 13


 Konzept: zebralog    Realisierung: discourse-machine II von binary objects. Alle Rechte vorbehalten.  Seitenanfang